Chancen und Gefahren der Niedrigzinsphase

Eine gute Zeit zum Kaufen – oder?

Chancen und Gefahren der Niedrigzinsphase
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Der Traum von den eigenen vier Wänden scheint so greifbar wie noch nie. Der Grund: die niedrigen Zinsen für Immobilienkredite. Seit Jahren befinden die sich auf einem Rekordtief. Aktuell müssen Käufer für ein Darlehen mit einer Zinsbindung von zehn Jahren durchschnittlich nur 1,17 Prozent bezahlen, bei einer Zinsbindung von 30 Jahren sind es 2,2 Prozent.
Wenn die Zinsen so niedrig sind und die Kreditrate kaum höher als die Miete ist, sollte bei einem Kauf doch nichts mehr schief gehen können, richtig? Falsch!
Die Höhe des Kredits hängt davon ab, welche Kreditrate für den Käufer tragbar ist. Je niedriger der Zins, desto höher kann der Kredit sein – schließlich macht die enorme Zinsersparnis schnell ein paar Hundert Euro bei der monatlichen Rate aus. Die Folge: Die Preisgrenze für die Wunschimmobilie wird nach oben korrigiert. Das geht so lange gut, bis sich die Lage der Finanzmärkte beruhigt und das Ende des billigen Geldes erreicht ist. Dann wird das Anschlussdarlehen womöglich unbezahlbar, die Rückzahlung dauert ewig.
Eine weitere Folge der Niedrigzinsphase: Es dauert länger bis ein Kredit abbezahlt ist. Bei Minizinsen und niedriger Tilgung kann sich das schon mal mehr als ein halbes Jahrhundert hinziehen – fast zehn Jahre länger als bei einem Zins von vier Prozent. Der Grund liegt im Aufbau der Darlehen. Der Kreditnehmer bezahlt monatlich eine feste Rate und zahlt so das Darlehen an die Bank zurück. Dieser stehen nur für die Restschuld Zinsen zu, für den bereits abgetragenen Teil spart der Kreditnehmer also Zinsen. Dadurch fällt das Ersparnis bei höheren Zinsen dementsprechend hoch aus. Der Tilgungsanteil steigt entsprechend schneller. Dadurch ist der Kredit schneller abbezahlt als bei niedrigen Zinsen.
Ein abgeschlossener Vertrag für einen Hauskredit läuft in der Regel für zehn bis 15 Jahre. Ist dann das Ende der Zinsbindung erreicht, ist die Immobilie jedoch in aller Regel noch nicht komplett abbezahlt. Folglich muss ein neuer Darlehensvertrag her, der sich nach den dann geltenden Zinsen richtet. Kann sich der Kreditnehmer heute die monatlichen Raten noch gerade so leisten, kann es gut sein, dass ihm die später gestiegenen Zinsen einen Strich durch die Rechnung machen und die Rate für den Anschlusskredit nicht mehr tragbar ist. Eine niedrige Zinsphase, wie sie aktuell der Fall ist, bringt also nicht nur Vorteile mit sich. Wenn sich jedoch an der ökonomischen Situation so schnell nichts ändert, dann dürfte der Traum vom Eigenheim für viele in greifbare Nähe rücken – wenn das finanzielle Gerüst auf sicheren Beinen steht. Das oberste Credo dabei: Die persönliche Vermögenssituation und die leistbare Kreditrate realistisch und selbstkritisch einschätzen. 

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