Selbstständigkeit erhalten – komfortabel wohnen

Demografische Entwicklung verlangt altersgerechte Wohnbedingungen

Selbstständigkeit erhalten – komfortabel wohnen
Foto: fotolia/hds-pr

Dass ein Beinbruch weit mehr sein kann als nur ein Unglücksfall, hätte Herr Schulze nicht gedacht. Der 72-jährige stand in seiner Wohnung vor einem echten Problem: Mit Gipsbein im Rollstuhl sitzend, kam er nicht mehr durch die viel zu schmale Badezimmer-Tür hindurch. Seine Situation steht exemplarisch für das, was viele Senioren erleben. In Deutschland sind rund 20 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre und älter. Sie alle sehen sich früher oder später aus vielschichtigen Gründen mit Hindernissen in der eigenen Wohnung konfrontiert.


Gefragter denn je: das barrierefreie Zuhause
Laut Studie des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) gibt es bundesweit gerade einmal eine halbe Million Seniorenhaushalte, die über altersgerechten Wohnraum verfügen. Angesichts der gegenüberstehenden Zahl von derzeit mindestens 16 Millionen älteren Menschen herrscht hier enormer Handlungsbedarf. Für Branchen wie die Bauindustrie und das Handwerk, aber auch Gesundheitswesen und Pflegewirtschaft, entstehen mit dieser wachsenden Zielgruppe täglich neue Aufgabenfelder. Wer sich heute schon auf den rasch voranschreitenden demografischen Wandel vorbereitet und erste Vorkehrungen trifft, der ist zukünftig gut aufgestellt. Voraussetzung hierfür ist jedoch das entsprechende Know-how.


Sicher wohnen
„Barrierefrei wohnen“ impliziert einfache umsetzbare Maßnahmen, die bei Sanierung oder Umbau berücksichtigt werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig: In Flur, Bad und Küche ist genügend Platz, um sich auch mit Gehhilfen oder einem Rollstuhl sicher zu bewegen. Absolutes Muss sind stufenlose Zugänge zu Balkon, Terrasse und allen Übergängen sowie eine Türbreite von mindestens 80 Zentimetern. Sanitär- und Heizungsinstallateure bringen Zentralheizungen mit Temperaturreglern in Greifhöhe an. In Bad und Küche kommen Sensor-Armaturen zum Einsatz. Pflicht im Badezimmer: eine bodengleiche Dusche sowie eine Sitzmöglichkeit. Fest einstellbare Dusch-Thermostate sind ebenfalls selbstverständlich. In puncto Heizungstechnik empfehlen sich moderne Flächenheizsysteme zur kontrollierten Wohnraumlüftung. Fenster- und Türbauer sollten Schalter und Türgriffe gut erreichbar anbringen. Auch elektrische Tür-Öffner und Rollläden sind ratsam, ein Notruf-Knopf ist Pflicht. Optimal: Ein Boden mit eingebautem Sensor meldet Stürze oder lange Liegezeiten oder schaltet gar automatisch beim Aufstehen das Licht an.

Technische Hilfsmittel müssen nicht zwingend sofort und allumfassend in den Wohnraum eingebracht werden. Elementar ist lediglich das Vorhandensein der nötigen Infrastruktur. Ausreichend große Kabelschächte gehören unabdingbar zu heutigen Neu- oder Umbaukonzepten und gefährden weder Ästhetik noch Statik des Gebäudes. Minimalinvasiv ist die Integration des Internets als zunehmend wichtige Schnittstelle „nach außen“ – egal, ob es sich um den Online-Supermarkt-Einkauf mit Lieferservice oder das Pflegen sozialer Kontakte via E-Mail und Chat handelt. In weiteren Ausbaustufen können dank vorhandener technischer Grundausstattung elektronische Assistenzsysteme bedarfsweise hinzugefügt werden.


Wohnumfeld: Selbstständig und aktiv leben
Neben dem altersgerechten Zuhause prägt vor allem das Wohnumfeld das Wohlbefinden und Sicherheitsgefühl. Das Quartier ist daher weit mehr als nur der Lebensmittelpunkt. Hier finden die Bewohner Treffpunkte, Ruhezonen und einen erweiterten Lebensraum. Die Zukunft verlangt daher – neben der Schaffung altersgerechter Wohnungen – auch das ganze Stadtviertel für die ältere Generation nachhaltig attraktiv zu gestalten. Benötigt werden nicht nur technische Ausstattungsdetails wie Rampen mit geringem Steigungswinkel. Treffpunkte zur Pflege von Gemeinschaft und Kommunikation für den alltäglichen Austausch schützen nicht nur vor altersbedingter Vereinsamung und Depressionen, sondern bringen Lebensfreude und Realitätserleben. Bänke und Wasserspiele, Freiflächen und Parks stimulieren das Gemüt und regen zur Bewegung an. Auch logistisch sind neue Lösungen gefragt: Neben Behinderten-Parkplätzen werden zukünftig vor allem mehr Parkflächen für Lieferanten und (Pflege-)Personal benötigt.


Alljährliche Plattform für mehr Überblick
Die weitreichenden Folgen des demografischen Wandels greift die neue interdisziplinäre Kongressmesse „Zukunft Lebensräume“ auf, die sich an Entscheider aus Wohnungs-, Immobilien-, Gesundheits- und Pflegewirtschaft richtet. Die Messe findet jährlich im April – dieses Jahr am 20. und 21. April 2016 – in der Messe Frankfurt statt. Als ideale Plattform ermöglicht sie einen interdisziplinären Informationsaustausch zu aktuellen Trends und Entwicklungen in den Bereichen Bauen und Wohnen, Gesundheit und Pflege, Vernetzung und Technik sowie Sicherheit, Mobilität, Versorgung und Finanzierung. Getragen wird die Veranstaltung maßgeblich von Wissenschaftlern, Herstellern, Dienstleistern sowie von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden. Schirmherr sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die Stadt Frankfurt am Main.

 

 

 

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