Weg vom Erdöl

nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen

Weg vom Erdöl
Foto: hlc

Auch wenn sich die Rohölpreise seit einiger Zeit um einen historischen Tiefpunkt bewegen, gibt es sehr gute Gründe, auf den Verbrauch dieses fossilen Brennstoffs zu verzichten und auf Alternativen zu setzen. Unabhängig davon, dass die Preise mit hoher Wahrscheinlichkeit und eingedenk der Erfahrungen aus den letzten Jahrzehnten nicht so niedrig bleiben werden und mittelfristig wieder mit einem drastischen Anstieg zu rechnen ist, so ist die Emanzipation vom Rohöl jenseits wirtschaftlicher Betrachtungen dennoch dringend geboten. Durch eine Laune der Geologie sind die Hauptförderländer dieses Rohstoffes in Krisenregionen angesiedelt oder haben vielmehr die jeweilige Region erst zum Krisengebiet gemacht. Die meisten dieser Staaten sind autoritäre Regime bzw. werden von Clans beherrscht, die die Pfründe unter sich aufteilen und lediglich an ihrem Machterhalt interessiert sind, statt ihrer Bevölkerung eine Perspektive in Form von nachhaltiger Politik und Bildung zu bieten. Unter den zehn wichtigsten Herkunftsländern unserer Rohölimporte findet man neben Saudi-Arabien Staaten wie Nigeria, Irak, Libyen, Angola oder Russland. Durch die große Abhängigkeit vom Rohstoff Öl hat sich der Westen erpressbar gemacht und hofiert seit Jahrzehnten Staaten wie Saudi-Arabien – ein Regime, das der Inbegriff all dessen ist, was ein aufgeklärter Mitteleuropäer ablehnen muss. Schon seit geraumer Zeit ist nach dem Selbstverständnis dieser Staaten Energiepolitik mit Machtpolitik gleichzusetzen, was man wiederholt am Beispiel Russlands im Umgang mit seinen Handelspartnern beobachten konnte. Auch wenn sich durch die Fracking-Technolgie, die vor allem in den USA Anwendung findet, der Würgegriff ein wenig gelockert hat, ändert das nichts an der Feststellung, dass man in der Regel durch den Verbrauch von Erdöl meist direkt oder indirekt Staaten unterstützt, die als problematisch einzustufen sind.

Wenn man sich die Beheizungsstruktur in Deutschland anschaut, stellt man fest, dass das Verbrennen von Heizöl zur Wärmeerzeugung bei privaten Haushalten hinter Gas immer noch Platz zwei belegt und einen großen Teil der deutschen Importe ausmacht. Alternativen gäbe es genug, um zum Heizen des Wohnraums den Verbrauch von Öl zu vermeiden. Flüssiggas zum Beispiel gilt als einer der umweltschonendsten fossilen Brennstoffe. Die Emissionswerte sind dabei sehr gering. In Kombination mit moderner Heiztechnik oder erneuerbaren Energien kann man mit Flüssiggas den eigenen Energiemix umweltbewusst gestalten. Flüssiggas hat dabei einen großen Vorteil gegenüber Erdgas: Es kann auch in den Häusern genutzt werden, die keinen Anschluss an das Erdgas-Netz besitzen. Dieser Rohstoff wird zudem nahezu ausschließlich aus der Nordseeregion bzw. Norwegen importiert und ist, was die Reputation der Förderstaaten angeht, unbedenklich.

Eine weitere Alternative ist das Heizen mit Holz. Dieser Brennstoff ist für den Ofen in verschiedenen Varianten erhältlich. Diese sind Scheitholz, Holzbriketts und Pellets. Holz ist ein einheimischer Rohstoff, der in der Regel keine langen Transportwege benötigt und als C02- neutral bezeichnet werden kann. Das heißt, dass bei der Verbrennung von Holz die Menge an Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird, die der Baum zuvor beim Wachsen aufgenommen hat. Werden heimische, nachwachsende Bioenergieträger genutzt, wird meist die lokale Wertschöpfung gestärkt. Ein wichtiger Vorteil von Holz bzw. Bioenergie allgemein ist die Grundlasttauglichkeit: Während bei anderen erneuerbaren Energien, beispielsweise bei der Windenergie, mit starken Schwankungen in der Erzeugung zu rechnen ist, kann Holz eine Mindestmaß an verfügbarer Energie zu jedem Zeitpunkt gewährleisten.

In Kombination oder als Ergänzung zu anderen Systemen ist die solarthermische Anlage eine interessante Option. Hier wandeln Sonnenkollektoren auf dem Dach die Solarstrahlung in nutzbare Wärme um. Die Wärme wird von einem Wärmeträger aufgenommen und über eine Umwälzpumpe in einen Warmwasserspeicher im Heizungsraum geleitet. Solarwärmeanlagen übernehmen nahezu die gesamte Trinkwassererwärmung im Sommer. Über das Jahr gesehen liefern Solaranlagen etwa 60 bis maximal 70 Prozent des Energiebedarfs für die Erwärmung des Trinkwassers. Größer dimensionierte Solaranlagen können aber auch einen Teil des Heizwärmebedarfs der Räume abdecken.

Um das Eigenheim zu heizen, lässt sich mit einer Wärmepumpe die natürliche Wärme der Umgebung nutzen. Mit unterschiedlichen Arten können Luft, Wasser und Erde als Wärmeträger genutzt werden. Die Zuführung der Wärme kann einerseits über ein Heizkörpersystem und andererseits über eine Raumlüftung realisiert werden. In Verbindung mit einer Photovoltaikanlage kann ein stimmiges Gesamtkonzept geschaffen werden, bei dem ein Großteil des benötigten Stroms zu Hause produziert wird.

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